Die Bedeutung von Kraftsport im Alter: Verjüngung durch Sport
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Muskeln sind „schön“. Sie machen uns attraktiv und zeugen von Gesundheit.
Aber sie machen noch viel mehr. Wer genug Muskeln hat, kann schwerer heben, länger und schneller laufen und fällt seltener bzw. kommt eigenständig wieder hoch, wenn er gefallen ist.
Was viele nicht wissen: Schon ab dem 30. Lebensjahr baut sich unsere Muskelmasse langsam ab. Ab dem 40. und 50. Lebensjahr beschleunigt sich dieser Prozess und vor allem bei Frauen in den Wechseljahren stellt sich die Körperzusammensetzung nach und nach um.
Doch warum stellt es überhaupt ein Problem dar, ein paar weniger „Muckis“ zu haben, weil man keinen Sport treibt?
Ich als Physiotherapeutin hatte schon oft Patienten vor mir sitzen, die auf meine Frage: „Machen Sie Sport?“ die verschiedensten Antworten gegeben haben. Selten waren diese für mich als Gesundheitsapostel jedoch das, was ich hören wollte.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Wir Physiotherapeuten lieben einen aktiven Alltag. Es ist lobenswert, Bewegung dort zu integrieren, wo es nur geht. Aber es reicht eben nicht.
Der Mensch ist für Beweglichkeit und nicht für Bequemlichkeit gemacht. Mit dem Fahrrad zur Arbeit zu radeln ist super. Aber wie wollen Sie Ihrem Körper erklären, dass Sie anschließend acht Stunden in einer unphysiologischen Haltung vor einem grellen Bildschirm sitzen – der Rücken schlaff in der Lehne versunken, der Kopf unter Ächzen der Nackenmuskulatur weit nach vorne gestreckt?
Wer also extrem inaktiv durch den Arbeitsalltag geht muss eben extrem aktiv durch den restlichen Tag gehen. Und damit meine ich Kraftsport Übungen, Anstrengung, Schwitzen!
Fazit: Wenn wir den ganzen Tag für die Nahrungsbeschaffung auf den Beinen wären, so wie es unsere Vorfahren taten, dann würde diese lockere Anstrengung wohl ausreichen. Da wir aber unterdurchschnittlich wenig Bewegung in unserem Arbeits- oder auch Freizeitalltag (für die Sofasitzer) haben, brauchen wir überdurchschnittlich viel Bewegung in unseren Sporteinheiten.
Kraftsport ist für viele die Lösung. Und es zahlt sich aus.
Im Alter steigt das Risiko von Stürzen.
Wer regelmäßig seine Sportübungen macht – vor allem freie Übungen und nicht nur Training an Geräten –, verhindert Stürze auf Treppen, über Teppiche oder kleine Schwellen.
In meiner Zeit als Physiotherapeutin hatte ich schon einige Patienten, die wegen eines Sturzes bei mir waren. Sowohl jüngere, die beispielsweise beim Wandern gefallen waren, als auch ältere Menschen, die kleine Hindernisse übersehen hatten und körperlich nicht trainiert genug waren, um den Sturz noch zu kompensieren.
Ein Oberschenkelhalsbruch ist nicht selten die Folge und leider oft der Anfang vom Ende der Selbstständigkeit.
Ab dem 30. Lebensjahr beginnt auch langsam die Knochendichte abzunehmen.
Menschen über 50 wird daher eine Knochendichtemessung empfohlen. Besonders Frauen sollten ein Augenmerk darauf haben, da die Knochenmasse stark von unseren Hormonen abhängig ist. Und diese verändern sich bekanntlich in den Wechseljahren. Rund 80 % der Osteoporose-Betroffenen sind Frauen.
Warum genau Kraftsport so effektiv gegen Knochenschwund sein soll, fragen Sie sich?
Ganz einfach: Unsere Knochen brauchen mechanische Belastung. Sie sind darauf ausgelegt, uns zu tragen und die enormen Zugkräfte unserer Muskeln auszuhalten. Deswegen wird auch ein gebrochener Knöchel, auf dem nie wieder richtig gelaufen wird, nie wieder so belastbar wie zuvor. Das, was die Struktur später aushalten soll, muss sie auch trainieren.
Wenn also Kraftsport betrieben wird und die Muskeln kräftig an den Knochen ziehen, wird dieser angeregt, neue Knochensubstanz aufzubauen.
„Schon 45 Minuten Training pro Woche verändern die Hirnstruktur.“
Besonders Myokine sind hier das magische Stichwort. Myokine sind Botenstoffe, die beim Training aus den Muskeln freigesetzt werden. Im Gehirn haben sie positive Auswirkungen auf Stimmung, Gedächtnis und die neuronale Gesundheit.
Sie könnten also auch ein wirksamer Schutz vor Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson sein. Erstaunlich für diejenigen, die immer noch denken, eine Alzheimer-Erkrankung sei durch unsere Gene bereits in Stein gemeißelt und nicht durch unseren Lebensstil - Sport und Ernährung - beeinflussbar.
Ja! Studien zeigen, dass Muskelaufbau auch im hohen Alter noch sehr effektiv möglich ist.
Ein kleines motivierendes Beispiel aus meinem Arbeitsalltag:
Frau M. war 71 Jahre alt. Sie stand als nächste Patientin auf meinem Plan. Mehr wusste ich bis dahin nicht über sie.
Als ich wartend zur Rezeption schaute, kam eine Dame herein: aufrechte Haltung, athletische Beine, schöne sportliche Arme und strahlende Haut, die von bester Gesundheit zeugte.
„Das kann sie nicht sein. Die Frau ist bestimmt Anfang bis Mitte 50“, dachte ich.
Tatsächlich aber zeigte die Rezeptionistin auf mich und die Dame stellte sich als meine nächste Patientin heraus.
Es hat mich absolut umgehauen – vor allem, als sie mir erzählte, dass sie erst vor zehn Jahren mit Kraftsport im Fitnessstudio begonnen hatte. Früher war sie Hausfrau gewesen, hatte drei Kinder großgezogen und neben dem Haushalt keine Zeit für Sport gehabt.
Unglaublich!
Auch wenn es schon eine Weile her ist, denke ich oft an diese bemerkenswerte Frau. Ich hoffe, dass auch Sie sich ein Beispiel an ihr nehmen.
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Bleiben Sie gesund!